Immer an der Wand lang...

Berlin ruft - und es geht für den Joghie am Mauerweg lang.

Donnerstag 17.5.2012 ging es das - jetzt in Rückschau geschrieben - noch nicht, da war der Tag mit Freunden dann doch irgendwie wichtiger und wunderbar. Für das Projekt hieß das: man kann den Mauerweg ja auch in drei Tagen laufen. Mit jeweils 55-60km.

Die 1. Etappe des ursprünglichen Plans war ca. 44 km lang geplant und ging von Rathaus Spandau startend den Brunsbüttler Damm runter bis zum Mauerweg, dem dann rechts im Uhrzeigersinn gefolgt würde. Ich sollte wohl den Mauerweg an der Oranienburger Chaussee in Richtung Berliner Straße verlassen und zur S-Bahnhof Waidmannslust laufen. Ich hatte nur keine Karte dabei, und so lief ich, weil ich dachte, der S-Bahnhof läge direkt am Mauerweg. Als ich um Lübars herum lief, wurde mir klar, dass ich bereits 5km über das Ziel hinausgeschossen war, und mir eine andere S-Bahn-Haltestelle suchen musste. Das war aber kein Problem, denn der Weg geht ja als ehemalige Schnittkante Ost-West genau dort von oben mitten durch die Stadt. S-Wilhelmsruhe war dann auch Joghies Ruhe angesagt.

Von dort ging es heim, Duschen und grillen. Beim Bierchen und vor der Glotze die Beine hochlegend verging der Abend.

Zweite Etappe wäre bis Lichtenrade gegangen, möglicherweise Teltow. Aber ich sitze hier - und stelle nur fest, dass ich die Beine noch nicht wieder für so eine Mörderaktion wie diesen dreitägigen Etappenlauf (nach dem letzten Samstag: Rennsteig-Supermarathon) habe. Wenigstens habe ich das 10.Mal dieses Jahr die Laufschuhe geschnürt, damit die 300km-Marke erreicht - und morgen ist auch noch ein Tag. Das wird schon noch alles... vielleicht ja demnächst mit etwas Vorlauf - und dann mit weiteren verrückten Lauffreunden. Ich geb bescheid.

VG Joghie

Saisonauftakt ohne Laufen

2012 kam ich nicht aus dem Knick und in die Laufschuhe. Abgesehen von den wenigen Eiszeitläufen im Februar war ich bis heute (16.5.) gerade neun mal laufend unterwegs. Älter werdend und um sein inneres Gleichgewicht bemüht akzeptiert man auch diesen Missstand leichter. Hat ja auch einen Vorteil: ein solcher Auftakt ist in einem Artikel kürzer zusammengefasst. Hier meine Heldentaten:

22 + 28 km an Ostern, dann 14.4. Kyffhäuser-Bergmarathon in 3:41. Also fast aus dem Stand heraus war das toll und ich hoffte, 2012 könnte ja noch was gehen.

15 + 15km Ende April, dann 29.4. Oberelbemarathon (v. Königstein nach Dresden in der Sonne bei über 30 Grad) in sensationellen 4:15... ähem. Ja, da waren keine Berge zwischen... ich bin fast vertrocknet. Also Haken dran. Mir ist das Jahr wurscht, wie es wird.

15 + 15km Anfang Mai, dann 12.5. Rennsteig-Supermarathon in 7:10. Das war der Hammer fast ohne Training. Jetzt hat es gezündet - und ich trainiere, um 2012 noch ein paar Bestzeiten zu laufen. So ist z.B. der ThüringenUltra (100km) in 9:XX angepeilt. Muss nur alles stimmen.

Ja, und darum auch die Einladung zum Mauerweglauf am Wochenende. Bisschen Kilometers in die Beine. Und Butter bei die Fische - dann klappts auch mit dem Nachbarn. Oder Nachbarin. Oder Nachtisch. Whatever.

Wir sehen uns in Fröttstätt.

Gruß

Joghie

Alles Gehhilfen oder was?

Frohes Neues...

naja, wenn man seinen ganzen Rotz von vorher mitnimmt, was soll dann am neuen Jahr das Neue sein? Dann ist es eher das alte, dasselbe in nochmal nochmal nochmal... Hm.

Ich hoffe, Ihr habt alle gut reingefunden und ein wirklich frohes Neues Jahr begonnen.

Bei mir ist auch alles neu - 1.1. Freundin weg, 3.1. Geldbörse weg mit allem drin. Jetzt hol ich mir alles neu und renne von Pontius zu Pilatus: Ohne EC-Karte Kein Geld, ohne Ausweis kein Geld am Schalter, Ohne Bild keinen neuen Ausweis, Ohne Geld kein biometrisches Bild. Ohne Portemonnaie dreht sich die Welt um mich im Kreis. Das ist in der schönen neuen Welt so nicht vorgesehen - einfach aufhören, zu existieren. Das gildet nicht, da heult die Bürokratie.

Mir gehts dabei gut, ich muss nur lachen, was wir uns alle antun, indem wir uns in Formen und Käfige drücken, um in allen "Systemen" Sicherheit herzustellen, unsere Errungenschaften, unsere Zivilisation gegen das Böse zu schützen. Und wer rausfällt, weil er seine Dokumente verliert, ist grundsätzlich böse.

Noch nicht mal menschlich lächeln darf man fürs Passfoto. Ist ja kein Spaßfoto. Könnte man auch ne Leiche fotografieren. Wahrscheinlich ähneln große Teile unserer Gesellschaft eh mehr den herumwandelnden Toten als lebensfrohen Menschen - und das Foto muss das so abbilden, um diese Untoten wenn sie mit Zappeln aufgehört haben besser zu erkennen. Logisch. Mal ehrlich: wenn da einer lächelt... Da könnt ja jeder kommen! Wo kämen wir denn dahin?

Gut, ich werde allmählich wieder dokumentiert und das System ist wieder zufrieden mit mir: "Brav, dass du dich fügst." Jetzt ist meine Identität zentral digital abschaltbar.

Schönes neues Jahr, ich renn in die Geschäfte, hole mir Kleinkram, der mir fehlt. Sehe nach, ob der Kapitalismus sich nicht vielleicht mit der Weihnachtsdeko selbst mit weggeräumt hat. Aber nein - ist noch da. Nix neu, wenn Ihr ausm Ski-Urlaub kommt. Sportgeschäfte sind ja der Renner die Tage - da tummelt sich das, was man sich am Tisch im Vorjahr vorgesetzt hat, - man ist was man isst - also die fleischgewordenen guten Vorsätze auf der Rolltreppe (warum die so heißt?!). Ist so ne Art Umzug, buntes Treiben. Das geht ein paar Wochen, dann betreten wieder Sportler diese Geschäfte.

Naja ich also rein, ist ja alles runtergesetzt - nicht untersetzt!! Obwohl... Paar Schuhe für die Halle. Non-Marking. Es gibt ja für alles Schuhe! Dabei spielt man gar nicht mit den Füßen Tennis, Squash, Badminton oder sonstwas... Wenn ich die Regeln noch richtig in Erinnerung habe. Wird man 2012 disqualifiziert, wenn man mit Turnschuhen Badminton spielt? Vielleicht auch gemobbt. Na, jedenfalls die sportart-spezifischen Raumanzug-Schuh-Konstruktionen sehen aus - da ist ne Teflon-Pfanne, die auch aus dem All kommt, ein Scheiss dagegen. Ich dachte, ich wäre in der Prothetischen Fachwerkstatt im Schaufenster gelandet. Man spielt Tennis mit Niveau, nämlich auf komplett hochgesetzten vollgedämpften Plateau-Sänften. Auch wenn man unterirdisch spielt. Kein Schuh unter 100 Euro - und wenn du noch was anderes stilgerecht als Hobby hast, brauchst du noch welche.

Behaltet das Zeug - ich hol mir gute alte Fußball-Indoor-Schuhe. Die gibt es noch, auch wenn orange und neon-gelbe Plaste und Elaste, die im Trend liegen, die Regale verunstalten. Wenn sie wenigstens nur im Trend lägen und nicht im Regal! Dann fielen sie mir nicht so sehr ins Auge. Hm, beim Zugriff stelle ich fest, dass die guten alten Lederexemplare glatt das Doppelte kosten wie der Sondermüll daneben. Weichmacher für die Füße, spart man die Pediküre. Für die ganz harten Kerle. Naja, ich bin halt ein altes Rindvieh und kauf Leder. Alles andere ist für die Füße.

 

Sparplan für die Zukunft

Das hat wirklich was mit dem Sinn des Lebens zu tun...

Heute im Supermarkt öffnete eine weitere Kasse

- geschieht wohl öfter mal.
Ich stecke noch zwischen den Runtergesetzten-Weihnachtsmänner-Regalen fest und komme einen Hauch zu spät in der Zielgeraden an, in die  eben schnaufend ein männliches Geschöpf mit Plautze und scheinbar ohne eigenen Rasierer und Vorsätze fürs neue Jahr einbiegt. Er sieht mich mit meinen drei Artikeln, mustert mich, wendet sich ab und legt dann seinen Einkaufswagen voll Krempel aufs Band. Mir fährt gleich noch die dazugehörige Kinderschubserin mitsamt Blag im Karren übern Fuß und beansprucht ihren Teil der Welt. Naja, muss ich halt warten.Was eben noch die Erlösung war, hatte die erste Wandlung vollzogen...

Irgendwann war auch die letzte Milchschnitte und das letzte Bier durchgezogen und die Hoffnung stieg, noch vor Ladenschluss wieder freizukommen. Doch nein - jetzt wurde erstmal umständlich mit Karte gezahlt. Wie gut, dass schon beim zweiten Versuch die Nummer stimmte. Nun also -husch-husch, Abmarsch. Nee, denkste, Puppe. Da war doch noch was - wo ist er denn jetzt hin, der Zettel mit dem Pfand? Die rettungsberingte Mittzwanzigerin kommt beim Durchsuchen der Manteltaschen ins Schwitzen. Um die Zeit zu überbrücken, erzählt die "Gute-Mutter-Mimende" der Kassiererin:

"Das ist jetzt ganz wichtig, weil: Das Flaschenpfand, das kriegt der Kleine immer. Das kommt in die Spardose. Für später. Man muss ja was sparen."

"Ja, das lernt man lieber früh richtig." spielt die Kassiererin kurz mit.

64 Cent werden auf den Bon in bar ausgezahlt. Die Kassiererin sagt zum zweiten Mal "Auf Wiedersehen." Doch die Frau ist noch nicht fertig. Es fehlt noch was. Ach ja, die Kippen. 4 Packungen für 20 Euro. Kartenzahlung.

Das geliebte Kind kriegt 64 Cent... eh nur, weil der Vater trinkt. Sonst nichts. Zukunftssparplan mit 64 Cent. Damit schafft man es gerade noch nicht weit genug von den Eltern weg, bis die durch Konsum der anderen 20 Euro Kippen bereits früh chronisch krank und pflegebedürftig werden. Und dann darf man für sie sorgen. Generationen-Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Kinderfreundlichkeit an der Supermarktkasse... Drei Wünsche in einem - das wird ne tolle Kindes-Überraschung ca. 2030.

Hm, jetzt bin ich an der Reihe mit meinen drei Sachen. Bin noch ganz gerührt. Für die tolle Vorstellung (bzw. die Davor-Stellung) in der Schlange habe ich keinen Eintritt zahlen müssen, obgleich es tolles Theater war. - Und auf diese Weise haben wir alle etwas gespart. Toll!

Nikolaus

Hm, ja, Nikolaus oder Knecht Ruprecht-Tag... je nach Artigkeit.
Ich bin ja meist andersartig.
Nun, vergessen, zu sagen, dass Wortwitz hier auch unterkommt.
Und Bücher, die irgendwas mit der Musik zu tun haben (die das Leben so spielt, also Lebens-Melodie oder Melodie oder Melancholie).

Eckart Tolle - The Power of Now


wie man aus dem Kopfkrampf unserer Zeit und den vielen Verpflichtungen, in die man sich verstrickt, wieder zu sich selbst und zum Leben findet
- von theoretischem Konzept bis zu kleinen Übungen, und der Variation dieser Hilfen in viele charakteristische Situationen hinein.
Ja, das steht da drin. Und wer sich drauf einlässt, dem kann es ein Stück weit helfen. War jedenfalls in meinem Fall so.

Next Book:


Eckhart Tolle - A new earth


enthält dasselbe nur in gut aufgeräumt, besser zu lesen, nicht so experimentell, dafür fundierter zu den jeweiligen Aspekten. Für alle die das erste Buch kennen, aber noch mehr wollen. Als "Erst-Leser" kann ich mir das aber nicht vorstellen, weil es zu dicht geschrieben ist - und auch nicht den dialogischen Stil des ersten Buchs hat, indem auf typische Fragen eingegangen wird.
Ach ja, Kategorie Persönlichkeitsentwicklung bzw Spiritualität, aber eigentlich wenig "Kleister" oder Spekulation.

Next Book:


Martin Buber - Ich und Du

Das Buch ist 1923 zum ersten Mal erschienen und liegt seit JAhrzehnten im Reclam-Verlag - das sind die gelben Heftchen für nen Appel und ein Ei - vor. Scheinbar zeitlos auch der Inhalt:
Es geht um drei Formen von Beziehungen: Vom Umgang mit Dingen (gebrauchen), die er der "Es-Welt" zuordnet, vom Umgang mit Gegenübern in Begegnung, die er der "Du-Welt" zuordnet, und letztlich die Begegnung mit dem Ewigen Du, dem Schöpfer, die dies noch übertrifft. Den Sphären wird noch jeweils eine Form von Zeit zugeordnet. Während in der Welt des Gebrauchens chronologische Zeit abläuft und bemisst, ist Begegnung zeitlos.
Sich auf Begegnung einlassen - das Fremde im Anderen angstfrei kennenzulernen. Faszinierend. Und das Fremde in sich selbst. Ein tolles Werk, dass letztlich auch Religiosität hinterfragt auf ihren Inhalt und Sinn.
Es fordert heraus, angemessen mit der eigenen Umwelt umzugehen. Und nicht als Ignorant stumpf durch diese Welt der Vielfalt zu rasen.
Parallelen zum Tolle-Buch. Hab sie gleichzeitig gelesen.

Demnächst mehr. Bin nur gerade müde - vom Lesen ;-)

Gute Nacht.